Mads Mikkelsens Charaktere
Und was die Eins noch beschreibt

Wunderbar, ein Film, der Horizonte erweitert. Wieder spielt er ihn klar und echt, den starken Idealisten: Mads Mikkelsen – diesmal als revolutionärer Aufklärungsstratege in „Die Königin und ihr Leibarzt“. Kantig, klug und tief. Natürlich geht es um Gerechtigkeit, genau wie bei Michael Kohlhaas. Einser sind Idealisten, sie wollen die Welt verbessern. Der Arzt des überforderten Königs wird an den Hof gerufen und sieht sogleich, wie er den Fall der Monarchie beschleunigen kann, indem er zum Königflüsterer wird – was wahrscheinlich erfolgreich verlaufen wäre, wenn er sich nicht in die Königin verliebt hätte. Als Einser zögert er natürlich lange, dem Sehnen nachzugeben, - will er doch gleichzeitig dem König loyal sein. Aber dann lässt auch er die Liebe zu und das kostet ihn am Ende – das Leben. Nicht selten ist es so verlaufen.  
Meine Einser Freundin erzählte, wie sie auf einer Autofahrt mit mehreren Leuten plötzlich bemerkte, dass alle mit derselben Einser Begeisterung von ihren Entwicklungen in bedeutenden Konfliktmustern erzählten. Wie alle gespannt zuhörten. Und wie verbindend es war, die Freude dabei zu spüren, eine gute Erfahrung weiterzugeben.
Oft, so berichtet sie, ist es schwer auszuhalten, dass sie Nicht-Perfektes gleich entdeckt. Und sofort eine Idee hat, wie es perfekt WÄRE. Sehnsucht nach "Reinheit", ihre Essenz.
Eine gewisse Strenge umgibt sie. Mein Lehrer sagte mal, wenn eine Eins den Raum betritt, sitzt man gleich ein bisschen aufrechter auf dem Stuhl.
Sie ist gleichzeitig sehr sensibel. Auf Irritationen reagiert sie wütend. Manchmal wird sie als Nervensäge wahrgenommen, da sie die Dinge, die sie sieht, beim Namen nennt. Auch Rechthaberei wird ihr zuweilen nachgesagt, doch oft ist ihre Einschätzung einfach - zutreffend. Sie neigt zum Urteilen, - es ist wie ein natürlicher Reflex. Die härtesten Urteile fällt sie allerdings sich selbst gegenüber. Sie will es wirklich richtigmachen, am besten Alles und immer – und damit macht sie sich das Leben oft schwer.
Gleichzeitig ist sie voller Freude und Hingabe, wenn es um neue Ideen und Projekte geht, die sie gern auch selbst entwickelt. Immer sind die Beiträge von Idealismus geprägt – für eine bessere Welt, im Kleinen im Alltag oder ganz groß, in der Welt.
 
 



Handtuch im Wind

 

Familientrubel am Strand in Suedholland, vielleicht das letzte heiße Wochenende in diesem Sommer. Kaffee im Pavillon. Meine Freundin erzählt mir, wie sie vor kurzem dort den Aufbruch einer Familie beobachtet hat. Die Mutter schüttelt ein Handtuch, faltet es langsam in der Luft und legt es in den Bollerwagen. Der kleine Junge hebt auch ein Handtuch auf und schüttelt es kräftig im Wind. Dann das Falten, ein zwei drei Anläufe, es gelingt ihm nicht. Er legt das Tuch langsam in den Sand, faltet es sorgfältig, nimmt es auf und legt es vorsichtig auf die anderen in den Bollerwagen.
Die Familie zieht los, der Junge mit dem Papa voran. Nach einigen Schritten zieht die Frau vorsichtig das Handtuch heraus, verschwindet kurz hinter der Düne, kehrt nach wenigen Sekunden zurück und legt es dezent auf den Stapel zurück.
Ich sage meiner Freundin, dass ich das gern in einer kleinen Geschichte erzählen möchte



Komplett verschieden
Die Neun - und wie das Enneagramm  zu mir kam

Vor einigen Jahren war ich im Begriff, jemandem zu verlieren, der mir sehr wichtig war. Eine Neun, hörte ich von meiner Freundin. Die Freundin hatte bei Eli Jaxon Bear gelernt, einem berühmten spirituellen Lehrer. Immer wieder sagte sie:  ja das passt zur Neun, setzt sich nicht auseinander.  Ich begann zu forschen. Dabei entdeckte ich ein Youtube Video, in dem ein junger Engländer sehr lebendig das Erleben einer Neun darstellte. Wirklich interessant. Doch was ich sah, kam mir ziemlich fremd vor, ganz anders als ich! So verhält sich jemand wirklich? Dabei schien es tatsächlich einiges zu erklären: Umgänglich, liebevoll, großzügig, aufmerksam, (passte alles), sehr harmoniebedürftig (passte!), schwingt gern mit dem Gegenüber mit (ja, das konnte gut sein). Um Konflikte zu vermeiden, pflegt er am liebsten seine Gewohnheiten. Neigung zum Couchpotatoe (Hmm, schon...).  Vermeidet Konflikte, hält lieber den Deckel drauf (jepp!). Ist aber bei Holprigkeiten auch mit seiner Wut im Kontakt und wenn der Druck zu groß wird, kann er richtig böse werden - und dann geht es auch mal unter die Gürtellinie. Ja, so war das. – Ich erwähnte ihm gegenüber das Enneagramm und das Youtube-Video und hörte von ihm am nächsten Tag, dass es ihn fast umgehauen habe, da er sein inneres Erleben noch nie so genau beschrieben gesehen habe.  Öffnung eines völlig neuen Horizonts.

Für mich war es der Beginn eines neuen Blicks auf die Empathie. Abschied davon, unbedingt Lösungen zu brauchen. Nicht für jeden geht es um Klärung und Entwicklung. Menschen sind „anders“, teilweise richtig komplett anders. Wie oft hatte ich mich gefragt, was ist denn mit diesem oder jenem Menschen los, der oder die mit so "befremdlichen" Verhalten durchs Leben geht – und wie können wir uns nur verständigen?  Ganz einfach: wenn wir es wollen. Wenn der Wunsch nach bewusster  Entwicklung da ist. Und zuhören. Sich bewusst machen,  dass du es nur ahnen kannst, wie der Andere „sieht“ und fühlt, niemlas jedoch wirklich wissen.



Sommer im Viertel 

Hitze, Spaziergang, und … da war doch was…

 

Das Gästefahrrad steht immer noch am Joseph-Stift, nach einer Woche will ich es abholen. Zu Fuß, wie sonst selten, gehe ich durch´s Viertel: die warme Luft ist angenehm auf der Haut und eine feine Freude blitzt auf, andere Wege zu gehen und Straßen zu entdecken, die beim zügigen Fahren sonst links und rechts liegen bleiben.

Steintor, wie schön dieses Viertel ist, Friesenstraße, Gleimstraße, hier war ich doch schon mal. Vor vielen Jahren. Lebhafte Erinnerung. Es waren auch so heiße Tage damals, es war auch in dieser Zeit, Ende Juli. Wir, meine alte Freundin und ich, suchten eine Bekannte, die wir nicht antrafen. Die Geschichte dazu fällt mir ein. Mein erster Besuch in Bremen, ich war total begeistert, so eine schöne Stadt zu entdecken, das entspannte, szenige Viertel, der riesige Bürgerpark, Werdersee, viel üppiges Grün und bunte Blumen, offene Menschen, Shakespeare im Park.

Als ich später selbst hierherzog, fand ich mit Riesenglück mitten im Ostertorviertel, einen Steinwurf von der Weserfähre entfernt, die schönste Wohnung, die ich je hatte.

Nur ein Jahr später zog meine alte Freundin weg. In eine andere Stadt. Sie entfernte sich von mir und ich realisierte nach und nach, dass sie den Kontakt abbrach. Ich verstand es nicht. Als die GFK auf mich zukam, war das schließlich wie ein Versprechen – „Alles, wirklich Alles, kann in empathisch zugewandten Gesprächen geklärt werden“. Aber nein. Sie sagte einfach „Nein“. Wind, den ich nicht ändern konnte.

Mittlerweile ist mir weiterer Wind um die Nase geweht und – ich kann die Geschichte von damals besser annehmen. Dass sie es nicht klären, nicht „für unsere Verbindung" gehen wollte, sondern weitergehen. Sich entwickeln. Frei sein, den eigenen Weg gehen. Ohne mich. Auch wenn es weh tat.

Erinnerungen an Pfeilspitzen tauchen auf, die vor ein paar Tagen auf der Arbeit in meine Richtung flogen. Irritation, Schwere. Tja… seit Anfang des Monats viel Veränderung. Für alle keine leichte Zeit.

Während ich durch die sommerliche Viertelhitze wandere, umspült mich wie eine sanfte Welle das Gefühl von Freiheit, Klärung im außen nicht mehr unbedingt zu brauchen. Sondern selbst auch weiter gehen zu dürfen. Vielleicht ergibt sich Gelegenheit. Vielleicht nicht. Manchmal auch einfach aushalten, dass ich den Wind nicht ändern kann.



Klangschale ist gut,

aber auch das Specksteindöschen

Montagnachmittag, Capuccino und zwei kurzweilige Stunden mit Katja, der Fotografin, bei mir zuhause. Ursprünglich spezialisiert auf Hochzeitsfotos freut sie sich über die wachsende Anfrage für Portraits. Sie möchte wissen, wer ich bin, was ich mache, wofür ich die Bilder brauche. Das Erzählen geht ganz leicht, denn sie hört zu. Es ist pure Stärkung für mich, dann ist sie da, diese Lust, meine Ideen zu verbreiten. Zum Ende hin „Hey, die Klangschale da ist schön, mit dem lila Kissen. Bestimmt hast Du noch mehr schöne Gegenstände hier, die wir mit zum Shooting nehmen können? Ja, das Döschen hier ist auch gut, mit der Creole im Deckel. Klar, die Bedürfniskarten, sowas passt, auch mitnehmen. Was hast Du noch? Du kriegst es transportiert?“ 


Freitagmittag. Anstrengende Arbeitswoche hinter mir, Rückenschmerzen. Warme Sonnerstrahlen fallen leicht durch die weißen Vorhangschals. „Almut, keine Sorge, du brauchst nur zu machen, was ich dir sage.“ Alles ist vorbereitet, Stühle und Kissen arrangiert, Karten ausgelegt, Bilder und Bücher hier und dort fotogen drappiert. Es geht los. „Stell Dich mal da hin, bisschen drehen… und hier vielleicht mal sitzen…" Immer wieder ein verschmitztes „Du darfst gern ein bisschen lächeln“, und „nicht das Lächeln vergessen“, und wieder „lä-cheln“. Zwischendurch reicht sie mir die Kamera entgegen, damit auch ich sehe: die werden schön! Zweifel verabschieden sich, wir lachen viel und ich schwebe etwas. Von Rückenschmerzen nichts mehr zu spüren. Alles leicht und spielerisch.


Hey, Fotos machen lassen, das ist doch: ich zeige mich, ich winke, ich will, dass ihr mich seht, ich will auffallen. Und jetzt - mach ich das einfach. Es funktioniert. Kein erhobener Zeigefinger mehr, der mich in meine protestantischen Schranken weisen will. Ist einfach nicht da.


Fast zwei Stunden verbundenes Miteinander, feine, lebendige Energie, unerschöpfliche Kreativität mit Haltung, Mimik, Gegenständen, Lichteinfall. Geheimnis des Einlassens. Sie rückt mich ins Bild. Mein Vertrauen erledigt den Rest. Entspannt und locker. Eine erfolgreiche und schöne Zusammenarbeit mit einer Fotografin, die in ihrem Element angekommen ist. Entstanden ist das Beste: 200 richtig gute Fotos in 3 Outfits im Stehen, liegen, sitzen, mit und ohne Requisiten. Meilenstein auf meinem Weg.



Übergeschnappt oder Pippi Langstrumpf –
Selbsterfahrung in Empathie

 

Der Karton mit den Prospekten war endlich da. Die Irrfahrt über Regensburg hatte 14 Tage gedauert und ich konnte es kaum glauben. Mittlerweile war es auch egal, ob die Ferien vor der Tür standen. Das komplexe Geflecht aus Aufgaben und Kooperationsdetails hatte sich zäh wie Leder in die Länge gezogen und so kam das Produkt, was als erstes fertig sein sollte, nun als letztes, nach Logo, Website, Enneagrammflyer, Facebook und Newsletter.

 

Mit dem Messerchen durchschnitt ich mühsam die 3fach verklebten Rillen – und dann war es soweit: mein eigenes voll lachendes Konterfei mitten auf dem Titelblatt! Mir wurde mulmig. Zweifel – das kann ich doch nicht machen. Erstmal an die Seite legen. Nun es ist aber in der Welt.

 

Grünes Licht dafür zu geben, war ein fetter Miniprozess gewesen. Einigen Wenigen schickte ich den ersten Entwurf – nur Freundin S. meldete sich zeitnah: sehr schön, vielleicht ein bisschen viel Almut… Später dann die Komplizen: „okay, die auf der Rückseite nehmen wir raus, aber dann passt es!“


1000 hochwertige Prospekte, ein schönes kleines Kunstwerk aus feinem Papier. Anfangs fügte ich beim Übereichen ein verständiges … als Tochter von Protestanten nicht ganz einfach, du weißt schon... hinzu. Jetzt nicht mehr. Die Resonanz ist erstaunlich, von „Oh, Pippi Langstrumpf“ über „Kostbar, das passt zu dir“ – bis hin zu „jetzt kommst du selbst raus aus deinem Haus!“ viele liebevolle Kommentare. Erleichtert hat mich: „Es muss ja nicht für alle anziehend sein, vielleicht kommen zu deinen Seminaren nur diejenigen, die auch mutig sind.“

 

Meine Marketing Komplizen waren in dem Moment da, als ich bereit war, mir die Unterstützung zu leisten. Links und rechts hakten sie mich unter und gingen mit mir los. Empathie! Ich genoss es, wie sie nach und nach verstanden, was ich in die Welt bringen will. Vertrauen in mich selbst wuchs. Plötzlich tauchte ein schöner Raum in Bremen auf, dann der in Michendorf, nun ein zauberhaftes Seminarhaus in Worpswede. Die Perspektive für das nächste Jahr ist da.
Davon demnächst mehr.

 


Handtuch im Wind

Familientrubel am Strand in Suedholland, vielleicht das letzte heiße Wochenende in diesem Sommer.  Kaffee im Pavillon. Meine Freundin erzählt mir, wie sie vor kurzem dort den Aufbruch einer  Familie beobachtet hat. Die Mutter schüttelt ein Handtuch, faltet es langsam in der Luft und legt es in den Bollerwagen. Der kleine Junge hebt auch ein Handtuch auf und schüttelt es kräftig im Wind. Dann das Falten, ein zwei drei Anläufe, es gelingt  ihm nicht. Er legt das Tuch langsam in den Sand, faltet es sorgfältig, nimmt es auf und legt es vorsichtig auf die anderen in den Bollerwagen.

Die Familie zieht los, der Junge mit dem Papa voran. Nach einigen Schritten zieht die Frau vorsichtig das Handtuch heraus, verschwindet kurz hinter der Düne, kehrt nach wenigen Sekunden zurück und legt es dezent auf den Stapel zurück.

Ich sage  meiner Freundin, dass ich das gern in einer kleinen Geschichte erzählen möchte